Emotionale Liebesgeschichte von Angelika und Artur

 

Für gewöhnlich begeistern uns besonders romantische und ausgefallene Begegnungen zweier Menschen, doch die emotionale Liebesgeschichte von Angelika und Artur berührt uns auf einer noch viel tieferen Ebene.

Wir alle kennen die beiden als das eingespielte Team von Die Hochzeitsfotografen und bewundern ihre Arbeit seit Jahren. Ihre liebe Freundin und Kollegin Tanja Kibogo hat das außergewöhnliche Paar nach einem dramatischen Schicksalsschlag kürzlich zu Hause besucht und mit ihnen über Hoffnung, Liebe und Leben gesprochen.

Mit ihren unglaublich einfühlsamen, ergreifenden und ausdrucksstarken Aufnahmen hat Tanja Kibogo die Achterbahnfahrt der Gefühle von Angelika und Artur festgehalten und lässt uns nun an den tiefgründigen Gesprächen teilhaben.

 

 

 

Angelika, kannst du uns kurz erzählen wie es zur Diagnose Gehirntumor kam beziehungsweise wie ihr davon erfahren habt?

„Komplett überraschend und ohne jegliche Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Ausfälle in der Zeit davor, habe ich im November nachmittags zwei epileptische Anfälle bekommen. Im Krankenhaus dann (zum Glück) noch einen dritten, darum wurde noch am selben Abend ein CT gemacht. Die Ärzte haben schnell gesehen, dass etwas in meinem Gehirn wächst. Am nächsten Tag wurden noch einige andere Tests und ein MRT gemacht um sicher zu gehen. Dann stand die Diagnose auch schon fest.“

 

Mit welchen Fragen kämpft man in der Zeit der Ungewissheit?

„Am Anfang ehrlich gesagt – zumindest ich – mit noch nicht so vielen, da ich es einfach lange nicht so richtig realisiert habe oder den Ernst der Lage nicht so richtig begriffen habe. Nach den ersten Terminen mit der Chirurgin ist es mir dann klarer geworden, aber die Hoffnung und der Glaube daran, dass die OP alles „heilen“ würde, war größer. Nach der OP war dann ja leider klar dass es Krebs ist/war und ich mich daher leider nicht als „geheilt“ bezeichnen kann, denn die Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr des Tumors ist bei meinem Tumor leider sehr, sehr hoch. Dementsprechend gibt es mittlerweile sehr unterschiedliche Phasen, auch wenn ich bereits drei super gute Kontroll-MRTs hatte und demnach „krebsfrei“ bin- die Angst bleibt, dass sich das irgendwann wieder ändern könnte. Ich bin aber froh, dass ich meistens einfach positiv nach vorne schauen kann und nicht jeden Tag darüber nachgrüble.“

 

 

 

 

Was hat dich in der Zeit der Therapie und der OP-Phase motiviert oder vorangetrieben und dir Halt gegeben?

„Ganz klar – ohne Artur hätte ich nichts davon geschafft. Meine größte Motivation und mein größter Halt in dieser Zeit war er! Und der Gedanke, dass es für mich einfach nicht in Frage kam und kommt, mein wunderschönes, „altes“ Leben aufzugeben. Ich habe für mich entschieden, dass ich mich auf jeden Fall in dieses alte Leben zurückkämpfen und es wieder in vollen Zügen genießen möchte. Allerdings muss ich auch ganz ehrlich sagen dass mir vor der OP auch noch lange nicht bewusst war, was alles auf mich zukommen würde! Ich glaube, wenn ich das alles nochmal vor mir hätte, wäre ich nicht so stark und „naiv“ zu denken, dass alles ganz einfach werden würde…“

 

Was waren die schönsten Gesten und Messages von Menschen um dich herum? Und was empfindest du als nervig und absolutes No-Go?

„Das Schönste war definitiv, dass meine Freunde und Familie alle da waren, mich im Krankenhaus besucht haben und nach den ersten Terminen, die sehr schlimm für mich waren, da waren um mich zu trösten. Ich glaube gerade für meine Familie war das alles noch schlimmer als für mich selbst. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel Post bekommen und habe eine ganze Kiste mit Karten und Geschenken zu Hause, die ich von lieben Menschen bekommen habe! Generell hat es mich total gefreut, dass vor allem auch unsere Kunden so verständnisvoll reagiert haben und zum Beispiel Karten geschickt haben. Nachdem ich nach der OP nach Hause entlassen wurde, haben wir auch sehr viel Besuch bekommen, was uns dann langsam zu viel geworden ist. Wir haben auch Zeit zu zweit gebraucht um alles zu verarbeiten und uns einfach mal auszuruhen. Aber das haben zum Glück auch alle verstanden! Was mich sehr schnell genervt hat, waren die gut gemeinten Ratschläge die ab Beginn der Diagnose bis zur finalen Biopsie auf mich eingeprasselt sind und auf die ich mittlerweile echt allergisch reagiere. Auch würde ich nie die Entscheidung eines Patienten in dieser Situation, eine Chemo zu machen oder nicht, in Frage stellen! Das geht einfach überhaupt nicht, erst Recht wenn das eigene Leben davon abhängt.“

 

 

 

Was würdest du jemandem raten, der in derselben Situation steckt oder gerade eine Gehirntumor Diagnose gestellt bekommen hat?

„Hmmm, das ist echt schwierig da es sehr viele unterschiedliche Arten von Gehirntumoren gibt und auch die Prognosen daher sehr unterschiedlich sind. Ich würde jedem raten der einen gefährlicheren Tumor hat so wie ich, dass man sich nicht die schlechten Prognosen aus den bisherigen Studien durchlesen sollte – aber man kommt natürlich fast nicht drum rum. Ich war am Anfang extrem überfordert und habe mich daher erst einmal „einlesen“ müssen, da die Ärzte einem nicht alle Details ausführlich erklären. Aber ich habe Beispiele von Menschen gefunden die schon überdurchschnittlich lange mit derselben Diagnose leben und versuche mich so gut ich kann damit in eine positive Haltung zu bringen und nicht an den Studien verzweifeln.“

 

Wie war es für dich diese Aufnahmen machen zu lassen? Wie hast du dich während dem Shooting gefühlt und wie war es, als ihr die Fotos das erste Mal (alle) gesehen habt? Ist so ein Shooting empfehlenswert oder sollte man Schicksalsschläge wie diesen lieber gar nicht festhalten um sie möglichst schnell wieder zu vergessen?

 „Das Fotoshooting an sich hat total Spaß gemacht, auch wenn es extrem ungewohnt war sich vor der Kamera mit meiner „Halbglatze“ zu zeigen. Meine Perücke habe ich in der ganzen Zeit zwar sehr selten getragen, außer wenn wir auf Hochzeiten unterwegs waren oder ab und zu auch privat. Für mich hat sie sich leider immer extrem unecht angefühlt, obwohl es echtes Haar ist. Daher bin ich meistens mit Mützen oder Tüchern auf dem Kopf unterwegs gewesen. Generell haben wir aber auch privat sehr viele Fotos gemacht um auch diese schlimme Zeit „festzuhalten“ und sie nicht zu vergessen. Irgendwann kann man dann sehen, was man da zusammen geschafft hat! Daher habe ich mich auch total gefreut dieses Shooting zu machen, als Erinnerung an eine sehr schlimme aber auch sehr zusammenschweißende Zeit die wir gerade durchleben. Als ich die Bilder dann zum ersten Mal gesehen habe, war es ehrlich gesagt echt ein Schock, da ich zwischenzeitlich wieder fast keine Glatze mehr hatte und schon komplett vergessen hatte wie schlimm ich da aussah! Gerade die Tatsache, dass nur mein „halber“ Kopf kahl war und ein Teil von meinen Haaren noch da war, fühlte sich für mich immer total schrecklich an. Meine Haare sind tatsächlich auch nur von der Kopfbestrahlung ausgefallen und NICHT von der Chemo, daher eben leider auch nur so partiell. Mir wäre es tatsächlich lieber gewesen mein gesamter Kopf wäre kahl gewesen. Die restlichen Haare immer ganz kurz rasieren zu müssen damit es einheitlich aussieht, war sehr unangenehm. Ich könnte mir sogar vorstellen dass ich mich mit einer einheitlichen Glatze sogar mal vor die Tür getraut hätte – denn ob man es glaubt oder nicht – man gewöhnt sich tatsächlich an die Verunstaltungen die eine Krebstheraphie mit sich bringt.“

 

 

 

Wie geht es dir jetzt und wie hat dich diese schmerzhafte Reise durch die Krebswelt verändert?

 „Mir geht es momentan sehr gut, auch wenn die steigende Anzahl der Chemos auch langsam mehr „Spuren“ hinterlässt. Die ersten Chemos waren komplett problemfrei. Ich habe eine verhältnismäßig „harmlose“ Chemo, die ich zuhause in Tablettenform einnehme. Erst mit der Zeit haben sich langsam aber sicher Nebenwirkungen bemerkbar gemacht. Bisher war aber alles noch nicht wirklich dramatisch, mir ging es nie richtig schlecht. Es ist jetzt eher so, dass ich merke, dass ich das, was in den letzten Monaten passiert ist, erst noch psychisch verarbeiten muss und die Angst vor den Kontroll-MRTs wird mich wahrscheinlich für immer begleiten. Ich würde nicht sagen, dass es mich wesentlich verändert hat – ich habe mein Leben schon vorher wirklich von Herzen geschätzt und war sehr dankbar für alles was ich habe: meinen Mann, meinen Beruf und meine Freunde. Ich habe sehr bewusst gelebt und jeden Geburtstag zelebriert. Wenn, dann werde ich das alles in Zukunft umso mehr schätzen! Ich will jetzt noch mehr Reisen, noch mehr schöne Erinnerungen mit meinem Mann sammeln, Zeit mit Freunden genießen, mehr Konzerte besuchen, gesünder leben, alle besonderen Momente im Leben einfach weiterhin feiern. Eine Sache habe ich auf jeden Fall gelernt: dass ich mir keinen großen Kopf mehr mache um Dinge die nicht wirklich wichtig sind oder die mich nur unnötig stressen würden. Und ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören, mich hinzulegen wenn ich merke, dass mein Körper Schlaf braucht und dass die Gesundheit vor geht, auch wenn das bedeutet, dass Kunden länger auf ihre Bilder warten müssen!“

 

Wir bewundern den Mut und die Kraft von Angelika und Artur von Die Hochzeitsfotografen, mit denen sie diese schwere Zeit gemeinsam meistern und wünschen ihnen von Herzen alles Gute. Lasst euch von ihrer Lust auf das Leben inspirieren und versinkt mit uns gemeinsam in dieser berührenden Liebes(bilder)geschichte von Tanja Kibogo.

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